Montag, 24. Oktober 2016

Fiktion lebt von Konflikt, Konflikt, Konflikt. Aber bitte nur mit den richtigen Leuten!

Konflikt ist das Salz in der Suppe jeder guten Fiktion.

Konflikt, Konflikt, Konflikt!

Das ist das Credo guter Traumverkäufer - so wie Lage, Lage Lage! das Glaubensbekenntnis guter Immobilienmakler ist.

Es menschelt eben nun mal in solchen Träumen, die keinesfalls nur ein "Easy-Living" darstellen sollen. Und "menscheln" bedeutet in diesem Zusammenhang "sich streiten wie die Kesselflicker". Oder so allgewaltig wie Götter, fern jeder störenden Moral und körperlichen Beschränkung! (Solches Verhalten ist aber dem 3. Akt einer Fiktion vorbehalten, wo der Held das Böse immitieren muss, um zu gewinnen.)

 

Zunächst "menschelt" der Held aber nur.

Notfalls auch mit sich selbst: Nehm ich jetzt Erdbeermarmelade oder Aprikosenmarmelade aufs Brot, oder pfeffere ich das bereits gebutterte Ding quer durch die Küche, weil ich es ja so hasse, mich selbst zwischen so Alltäglich-Banalem nicht entscheiden zu können.

Dass allemal die Wut rauszulassen, der bessere, der gesündere Weg ist, der Weg, der uns um Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre herummanövrieren kann, ist nicht jedem von uns Erdenbürgern bekannt. Aber offensichtlich guten Autoren und Drehbuchschreibern.

Vorsicht ist trotzdem geboten.

Denn was die uns in letzter Zeit an meist völlig überzogenen Reaktionen auf oft banalste Konflikte angebieten, lässt uns oft an der bis dahin von uns akzeptierten Realität ihrer Traumgebilde zweifeln, manchmal so stark, dass wir herausgerissen werden aus dieser fiktionalen Welt und die Funktionen unserer Fernbedienung wieder "realisieren". Und zapp! Und der Bart ist ab.

Vielleicht ist den angehenden Autoren die Meinung von Psychologen ja eine Hilfe beim Austarieren ihrer erfundenen Konfliktsituationen:

Soll man seinem Ärger immer gleich Luft machen, oder ist es sinnvoller seine Wut runterzuschlucken, auch wenn es in einem brodelt? Das ist dabei die Kernfrage, die Psychologen so beantworten:

Ärger gehört zum Leben, an jedem verdammten Tag, den Gott wohl nur genau aus diesem Grund erschaffen hat. Ob ER seine Sachen überall liegen lässt, ob SIE das Badezimmer blockiert oder ob der Chef meckert. Es gibt immer etwas, über das man sich aufregen kann - und es deshalb unvermeidlicherweise auch tut.

Wie aber geht man mit Ärger am besten um?

Man sollte auf jeden Fall ehrlich und authentisch sein, und lieber jemandem deutlich die Meinung sagen, als den Ärger in sich hineinfressen. Dabei darf man auch ruhig mal laut werden, das gilt vor allem in der Partnerschaft - aber weniger beim Chef! (Was schon wieder so zum Kotzen ist, dass man sich glatt noch einmal drüber aufregen könnte). Man sollte jedoch dem Partner sagen, warum man denn laut geworden ist. Damit der Partner es besser einordnen kann.

Fotos: Juergen Jotzo / pixelio.de
Es gibt aber auch Meinungsverschiedenheiten, die sich nicht so ohne weiteres aus der Welt schaffen lassen. ER will beispielsweise im Urlaub in die Berge fahren, SIE an den Strand.

Wie löst man so einen Konflikt?

Hier bieten sich dem Autor und dem Drehbuchschreiber natürlich eine Menge inspirierender Dialogzeilen an.

Das gemeinsame Urlaubsziel ist ein Problem von mindestens zwei Leuten. (Wer als Single sich nicht für einen Urlaubsort entscheiden kann, ist selber schuld). Diese beiden müssen gemeinsam nach einem Kompromiss suchen. Und wenn es diesen Kompromiss nicht gibt, mit dem beide leben können, dann gibt es immer noch den "seriellen Kompromiss". Will heißen: Dieses Mal entscheidest du und das nächstes Mal entscheide ich.

Konflikt gelöst, Ärger vermieden, trotzdem den Leser mit fesselnden Dialogzeilen zufrieden gestellt.

Was aber passiert, wenn man auf Dauer Ärger in sich hineinfrisst?

Wir ahnen: Das ist nicht gut, weil das der Gesundheit schaden kann.

Eine Studie der Universität Frankfurt hat das anhand eines Call-Center-Rollenspieles zu ergründen versucht. Mit dem alarmierenden Ergebnis, dass wenn die Call-Center-Mitarbeiter ihren Ärger nicht mehr herrauslassen konnten, das zu erhöhtem Blutdruck führte, der auf Dauer krank macht.

Tapfer, ja heldenhaft seine Meinung sagen, aber dabei auch so kompromissbereit sein, dass man sich auch wieder vertragen kann, wäre nicht nur für das real existierende Leben deshalb der Königsweg. Auch der Fiktion stünde es inzwischen wieder gut an. Denn Randale um der Randale Willen langweilt zu Tode - zumindest mich, den Otto-Normal-Mann - und regt gleichzeitig auf. Denn viel zu deutlich zeigt sich, dass diese Randale nur dazu da ist, einen schlechten, mageren Plot zu überkleistern.

Ob dies Frauen, sprich Leserinnen und Zuschauerinnen, anders sehen?

Zumindest scheint das momentane Angebot an Krimis dafür zu sprechen: Wenn da nicht der Kommissar, der natürlich eine taffe Kommissarin sein muss - umgeben von unfähigen Männern - gleichzeitig eine Familie zu betreuen hat, oder was davon übrig geblieben ist, nämlich ein allein(un)erzogenes Kind - oder mehrere - scheint dies die Konsumentinnen solcher Fiktion nicht glücklich zu machen.

Ein dünner Plot, aufgepäppelt mit Kinderkacke, familiären Alarmanrufen während der Arbeitszeit, die natürlich - dreimal kurz gelacht, denn PolizeiBEAMTEN sind Beamten mit einem 8-Stunden-Arbeitstag, den sie zu 99 Prozent der Zeit hinterm Schreibtisch verbringen - 24 Stunden am Tag sein muss.

Dazu Mobbing, Mobbing, Mobbing! Und übergriffiges Verhalten jedem Zeugen gegenüber, der immer gleich als Beschuldigter "vernommen" wird. Und zwischendrin immer mal wieder weibliche Tränen, nicht nur wenn Kinderleichen ins Spiel kommen. Taff sein und flennen, sobald es die Szene nur einigermaßen hergibt. Brrr! Schüttel! Und ein aberwitziges Bedürfnis nach Sex - geradezu instinkthaft immer mit den falschen Männern.

Und schon sind die Konsumentinnen glücklich!?

Oder glauben das die Drehbuchschreiber nur? Und Frauen wollen in Wirklichkeit das, was Männer wollen?

Einen toughen Helden, nämlich, eine toughe Heldin, der/die souverän und selbstsicher, weshalb er/sie den Kollegen auf Augenhöhe begegnen kann und sie nicht bei jeder Gelegenheit als vermeintliche Deppen outen muss, einen komplizierten und meinetwegen auch gefährlichen Fall zu lösen in der Lage ist.

Und dabei trotzdem genügend Konflikte erlebt. Am liebsten mit dem Antagonisten und seiner "Armee".

 

 

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